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Meet Jörg Hauschild

Geschrieben von Magnus Kunhardt | May 11, 2026 11:41:53 AM

 

Geschäftsführer der Midoco Gruppe

Zuerst etwas über Dich.

Wer ist Jörg?

Ich bin jemand, der sein ganzes Berufsleben in der Reisebranche verbracht hat - angefangen 1988 in einem lokalen Reisebüro bei Köln. Das war eine ganz andere Zeit: alles war manuell, die Prozesse waren langsam, und die Technik spielte eine untergeordnete Rolle. Im Laufe der Jahre wechselte ich von der operativen Seite in die Technologie, und dieser Wechsel hat meine Karriere bestimmt. Ich habe die Entwicklung der Reisebranche von einer analogen zu einer hochdigitalen Branche miterlebt und hatte die Möglichkeit, Teile dieser Entwicklung aktiv mitzugestalten.

Wie bist Du zur Reisebranche gekommen?

Es begann mit einer klassischen Ausbildung. Der Wendepunkt kam, als mein Chef mich bat, Kollegen im Umgang mit dem Computer zu schulen. Das war damals nicht üblich - es war neu, ungewohnt und für viele Menschen sogar fragwürdig. Diese Erfahrung hat mein Interesse an der Technik geweckt.

Kurz darauf, in den frühen 90er Jahren, lernte ich einen Kollegen kennen, und wir gründeten das, was man heute ein Startup nennen würde. Wir hatten die Idee, eine zentrale Datenbank für Reisebüros aufzubauen und sie über TCP/IP zu verbinden - etwas, das heute völlig normal ist, damals aber als unrealistisch galt. Die Leute fragten: "Warum sollte man Daten nicht lokal speichern?" oder "Wie kann das jemals sicher sein?" Im Nachhinein stellte sich heraus, dass diese "verrückte Idee" genau die richtige Richtung war.

Du bist Chief Operating Officer der Midoco-Gruppe. Wie sieht diese Rolle in der Praxis aus?

Die Rolle umfasst mehrere Bereiche: Kunden, Produkt, Lieferung und Teile des After-Sales sowie die Verantwortung für unsere Teams. In der Praxis bedeutet das, dass wir sicherstellen müssen, dass das, was wir bauen, für die Kunden tatsächlich funktioniert und zuverlässig geliefert wird.

Es handelt sich nicht um eine rein strategische Rolle, sondern um eine sehr operative. Sie müssen ständig zwischen Kundenbedürfnissen, Produktkapazitäten und internen Ressourcen abwägen. Gleichzeitig ist die Mitarbeiterführung ein wichtiger Teil davon - es geht darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Teams effektiv arbeiten und zusammenarbeiten können.

Kannst Du einige Beispiele aus Ihrem Arbeitsalltag nennen?

Zu einem typischen Arbeitstag gehört die Abstimmung mit den Produkt- und Lieferteams, die Besprechung von Kundenanforderungen und die Unterstützung laufender Implementierungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit den Mitarbeitern - ich sorge dafür, dass die Teams motiviert sind und gut zusammenarbeiten.

Ein weiteres wiederkehrendes Thema ist die Umsetzung von Kundenherausforderungen in Produktverbesserungen. Viele Diskussionen drehen sich darum, wie Arbeitsabläufe oder Systeme angepasst werden können, um den tatsächlichen betrieblichen Anforderungen besser gerecht zu werden. Es ist ein ständiger Kreislauf zwischen Kunden, Produkt und Ausführung.

Gib uns gern einen Überblick über das Midoco-Produktportfolio?

Wir haben drei Hauptprodukte:

  • Umbrella Profile: Ein Profilmanagementsystem, das Kundendaten über mehrere Plattformen hinweg synchronisiert - Reservierungssysteme, HR-Systeme und mehr. Es ist ein Nischenprodukt, aber wir sind Weltmarktführer in diesem Bereich.
  • umbrella.net: Ein Mid- und Back-Office-System, das hauptsächlich in der Schweiz eingesetzt wird.
  • Midoco: Unser Kernprodukt - ein ERP-System für die Reisebranche, das von Reisebüros, OTAs und Reiseveranstaltern genutzt wird.

Die Idee hinter Midoco war seinerzeit ziemlich einzigartig. Als wir 2005 mit der Entwicklung begannen, haben wir das System bewusst ohne spezifische Kundenanforderungen entwickelt. Das gab uns die Freiheit, eine flexible Architektur zu entwerfen, die auf Workflows und Regeln basiert. Das Ergebnis ist ein System, das sich an sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle anpassen kann - auch an Anforderungen, die zum Zeitpunkt der Entwicklung noch nicht bekannt waren.

Warum ist es für Reisebüros so nützlich?

Der Hauptwert liegt in der Automatisierung und im Umgang mit der Komplexität.

Umbrella Profiles löst das Problem der fragmentierten Systeme, indem es die Kundendaten über mehrere Plattformen hinweg synchronisiert. Das reduziert die manuelle Arbeit, vermeidet Inkonsistenzen und gewährleistet die Einhaltung von Vorschriften wie die DSGVO.

Midoco konzentriert sich auf die Automatisierung von Arbeitsabläufen. Die ursprüngliche Idee entstand aus einer realen Kundensituation: ein großes Callcenter mit Hunderten von Agenten, in dem Buchungsnachfassungen manuell per E-Mail bearbeitet wurden. Dies verursachte enormen Aufwand und Ineffizienz. Wir erkannten diese Lücke und bauten ein System, um diese Prozesse zu automatisieren.

Dieser Fokus auf Workflow-Automatisierung war von Anfang an Teil von Midoco - lange bevor Themen wie KI oder Hyperautomatisierung zu Branchentrends wurden.

Wie siehst Du die Entwicklung der Midoco-Produkte im Zeitalter der künstlichen Intelligenz?

KI verändert bereits die Art und Weise, wie wir Software entwickeln - vor allem bei der Codierung und Fehlerbehebung. Sie erhöht die Geschwindigkeit und Effizienz erheblich.

Aus der Produktperspektive ist KI dort am nützlichsten, wo Prozesse nicht vollständig strukturiert sind. Zum Beispiel beim Umgang mit sich ändernden Lieferantendaten oder Dokumenten wie PDFs, die heute noch manuell interpretiert werden müssen.

Gleichzeitig ist es wichtig, zu differenzieren: Ein vollautomatisierter, stabiler Prozess braucht keine KI. Unser Ansatz ist also pragmatisch: Wir setzen KI dort ein, wo sie einen Mehrwert bietet, insbesondere beim Umgang mit Schwankungen und unstrukturierten Daten, und kombinieren sie mit unseren bestehenden Automatisierungsfunktionen.

Wenn Su in die Zukunft blickst, wie würdest Du die Zukunft von Midoco und die Richtung beschreiben, in die sich die Gruppe bewegt?

Die klare Richtung ist das internationale Wachstum. Wir expandieren über Europa hinaus, mit neuen Kunden in Regionen wie Nordamerika und Australien.

Unser Ziel ist es, Reiseunternehmen auf der ganzen Welt zu unterstützen, insbesondere im Bereich Geschäftsreisen. Eine der größten Herausforderungen bei dieser Expansion ist der Umgang mit lokalen Unterschieden - insbesondere mit steuerlichen Vorschriften und gesetzlichen Bestimmungen, die sich von Land zu Land stark unterscheiden können.

Unsere Flexibilität als System ist ein entscheidender Vorteil bei der Bewältigung dieser Herausforderungen.

Hast Du abschließend noch einen Rat für Reisebüros?

Verlassen Sie sich nicht auf den Erfolg der Vergangenheit. Die Branche entwickelt sich schnell weiter, mit neuen Technologien, Anbietern und Wettbewerbsdynamik.

Reisebüros müssen offen für Veränderungen bleiben - vor allem, wenn es um die Einführung neuer Systeme und Technologien wie KI geht. Eines der größten Hindernisse ist die Gewohnheit: Viele Unternehmen verwenden weiterhin Altsysteme, weil sie damit vertraut sind.

Der Schlüssel ist, bestehende Prozesse aktiv zu hinterfragen und bereit zu sein, sich anzupassen.

Wen sollten wir als nächstes vorstellen?

Vielleicht Daria Dylewicz - sie ist Head of Support bei Midoco Midoffice und arbeitet seit vielen Jahren eng mit Kunden zusammen. Sie hat einen direkten Einblick in die realen Herausforderungen der Kunden und die täglichen Abläufe, was oft eine fundiertere Perspektive bietet als rein strategische Rollen.