Travel Tech Blog

Künstliche Intelligenz? Jetzt geht's rund!

Geschrieben von Magnus Kunhardt | Dec 19, 2016 2:44:18 PM

"Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten - allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren."(Gottfried Daimler, 1901)

"Das Internet ist eine Spielerei für Computerfreaks, wir sehen darin keine Zukunft." (Ron Sommer, damaliger Chef der Deutschen Telekom, Anfang der 90er)

"Das Pferd wird es immer geben, Automobile hingegen sind lediglich eine vorübergehende Modeerscheinung." (Der Präsident der Michigan Savings Bank, 1903)

"Alles, was erfunden werden kann, wurde bereits erfunden." (Charles Duell, Chef des amerikanischen Patentamts, 1899)

"640K sollten genug für jeden sein." (Bill Gates, 1981)

Man sieht, auch absolute Insider tun sich oft schwer, die Auswirkungen technischer Revolutionen vorherzusagen. Alle oben genannten Zitate sind übrigens der wunderbaren Website http://www.nebelbank.de/irrtuemer.html entnommen.

Und jetzt steht uns wieder einmal so eine Revolution bevor, die von Vielen noch fürchterlich unterschätzt wird: Eine Welle der künstlichen Intelligenz rollt auf uns zu. Man sagt, dieser Tsunami wird so ziemlich jeden existierenden «Schreibtisch-& Desktop»-Job ausradieren.

Null digitalisiert?

Oder wird tatsächlich nicht alles so heiss gegessen wie es gekocht wird? Wird es eher eine langsame, stetige Evolution sein? Hierzulande, im digitalen Tiefschlafgebiet Europa, ist diese Meinung tatsächlich noch weit verbreitet. Frank Thelen hat dazu diesen aufrüttelnden Artikel geschrieben: Null digitalisiert – Frank Thelen sieht schwarz für Deutschland»

Also, lassen Sie uns doch einfach davon ausgehen, dass die Roboter sehr bald kommen werden und uns von vielen lästigen Pflichten und Routinen befreien werden! Sie werden das deswegen tun, weil sie diese Dinge schlichtweg besser und effektiver erledigen können als ein Mensch. Das alles ist übrigens eher eine Frage von Jahren denn eine Frage von Jahrzehnten.

Es ist aber beileibe nicht das erste Mal, dass eine industrielle oder technische Revolution Millionen von Jobs hinfällig macht. Ein «Educated Guess» besagt, dass es heutzutage 75% der Berufe nicht mehr gibt, die noch vor einhundert Jahren den Grossteil der Bevölkerung ernährt haben. Doch sowohl unser Wohlstand als auch das generelle Beschäftigungsniveau sind seitdem um ein Vielfaches gestiegen.

Gibt es also keinen Grund zur Sorge? Werden wir in Zukunft alle Dinge tun, die wir einfach gerne tun und ein netter Roboter wird uns dabei helfen, diese Aufgaben qualitativ viel besser zu erledigen als wir es alleine je könnten? Dürfen wir uns endlich auf die kreativen und emotionalen Aspekte eines Berufs konzentrieren – also auf Themen, die Maschinen angeblich nie erlernen können? Werden gleichzeitig die Produktivität und in Konsequenz auch der Wohlstand auf ein nie gedachtes Niveau steigen?

Wir dressieren Roboter!

Dafür spricht Einiges: Aktuell braucht es noch Entwickler und Ingenieure, die einem Roboter beim Lernen helfen. Das wird sich in Bälde ändern: Jeder Laie wird in der Lage sein, einen Roboter zu dressieren. So einfach, wie man heute einen Computer bedient, wird man in Zukunft eine künstliche Intelligenz dazu bringen können, Routinetätigkeiten zu erlernen. Das würde bedeuten, dass sowohl der wissenschaftliche Fortschritt als auch die Produktivität der Wirtschaft Quantensprünge machen werden.

Man kann sich in diesem Szenario schwer vorstellen, dass es noch Heerscharen von Menschen gibt, die acht oder mehr Stunden pro Tag «in der Arbeit» verbringen. Aufgrund der hohen Produktivität wird das auch nicht mehr nötig sein, um jedem ein gutes Auskommen zu verschaffen.

Und wer erledigt komplexe Aufgaben?

Die oft geäusserte Idee, dass man Roboter die einfachen Dinge machen lässt während die «Bio-Interfaces» (also Menschen) komplexere Routinen erledigen, ist er gewagt.

Auf die Reisebranche umgelegt hiesse das nämlich: Booking Bots übernehmen die einfachen Buchungen während sich erfahrene Agenten um «komplexe» Aufgabenstellungen kümmern. Ob das realistisch ist?

Das mag in einer Übergangsphase durchaus so sein. Langfristig wird das menschliche «Interface» aber auf verlorenem Posten stehen. Bereits 2016 gab es eine Reihe von Projekten, die die Power von selbstlernenden Maschinen nachhaltig demonstrierten:

AlphaGo, ein selbstlernender Computer aus dem Google-Imperium besiegt völlig überraschend einen der weltbesten Go-Spieler. Das hatten selbst Insider nicht erwartet, da die Anzahl der möglichen Varianten im Go billiardenfach höher ist als beim Schach. Die Komplexität des Spiels und damit die Anforderungen an einen Computer sind demnach auch bei Go ungleich grösser. Ein interessantes Video dazu finden Sie hier.

Ein selbstlernender Roboter an einer australischen Universität schaffte es innerhalb nur einer Stunde, mit Hilfe von Lasern ein so genanntes Bose-Einstein-Kondensat (BEC) herzustellen. Ein klassisches Computerprogramm ohne künstliche Intelligenz würde dafür Jahrmillionen benötigen. Menschliche Forscher haben immerhin etliche Jahre an Vorbereitung und Umsetzung gebraucht – und dafür 2001 sogar den Nobelpreis bekommen. Das entsprechende Video finden Sie hier.

Kurz gesagt: Wenn ein Roboter innerhalb einer Stunde selbst lernen kann, ein BEC herzustellen, wird er noch viel schneller kapieren, wie man vertrackte Aufgaben im Zusammenhang mit einer Flugbuchung löst.

Und was hat das alles mit Umbrella zu tun?

Möglicherweise fragen Sie sich, was das alles mit Umbrella und unserer Travel Technology zu tun hat.

Nun, wir entwickeln und verkaufen Software - Software die von Menschen bedient wird. Wenn wir über unsere Zukunft nachdenken, muss uns klar sein, dass sich dies bald ändern wird. Reiseberater wird es wohl auch in Zukunft geben. Aber sie werden keine Computer mehr bedienen. Sie werden Roboter dressieren. Das müssen wir bedenken, wenn wir uns überlegen, welche Projekte wir bei Umbrella als nächstes angehen.

In diesem Sinne freue ich mich auf eine spannende, positive Zukunft. Und ich darf Ihnen ein wunderbares, besinnliches Weihnachtsfest sowie ein erfolgreiches neues Jahr 2017 wünschen.

Herzlichst, Ihr Helmut Pilz